Finch Whiskydestillerie - Quantensprung mit Whisky von der Alb

Der Rohstoff ist Eigenbau von Hans-Gerhard Fink

Veröffentlicht: 16.09.2019

Zusammenfassung: Die Destillerie von Finch Whisky ist eine der größten in Deutschland, sie liegt auf der Schwäbischen Alb. Finch bringt seine lange Jahre gelagerten Whiskys nun langsam auf den Markt – unterstützt vom RKW BW.

Wer die größten Whisky-Bestände Deutschlands sucht, muss auf die Schwäbische Alb fahren. Dort haben sich seit 2012 über eine Million Liter Whisky angesammelt. Und was für einer: Die Produkte der noch jungen Destillerie holen sich viele renommierte Branchen-Auszeichnungen. 2018 wurde Finch bei den "World Spirit Awards" zur Destillerie des Jahres gekürt. Dabei ist der größte Teil noch unter Verschluss: Der Whisky lagert in Portwein- und Barrique-, in Sherry- und Bourbon-Fässern. Bis das Aroma wirklich rund ist, braucht man Geduld. Das gilt auch für Banken, die eine junge Brennerei in ihren ersten Jahren begleiten: Die wirtschaftlichen Durststrecken sind in diesem Geschäft besonders lang. Whisky-Unternehmer Hans-Gerhard Fink, Kopf und Namensgeber von Finch, hat seine Hausbank von seinem Konzept überzeugt. Zusätzliches Sicherheitsnetz ist das RKW Baden-Württemberg: mit Expertenwissen und monatlichen Reports, die dem Unternehmer und der Bank exakt zeigen, wie sich Zahlen und Liquidität entwickeln. Schon bald soll Finch jedem Whisky-Kenner ein Begriff sein.

Hans-Gerhard Fink ist Landwirt in Heroldstatt, zwischen Merklingen und Münsingen, mitten auf der Alb. Als Bauernbub aufgewachsen und dann, etwas spätberufen, doch auch Landwirt geworden, über die Ausbildung plus Agrar-Studium mit Schwerpunkt Betriebswirtschaft. Seit 1991 führt er den elterlichen Betrieb, hat viel Fläche dazu gepachtet und bewirtschaftet inzwischen 300 bis 400 Hektar pro Saison. Getreide ist sein Metier, damit kennt er sich aus, "ich bin Ackerbauer mit Leib und Seele". Aber nicht nur: Das Leben bescherte ihm in den 1990ern auch noch eine Kleinbrennerei aus der Familie seiner Frau, "ist mir aufs Auge gedrückt worden", scherzt er heute.

Zum Glück gab es da diesen Studienfreund, der übers Destillieren promoviert hatte und seither als Fachberater arbeitet. Zu zweit entwickelten die beiden "die Schnapsidee" weiter. Die Schwiegereltern hatten Obst gebrannt, aber das hakte man schnell ab, "die Alb als Lage ist nicht prädestiniert für edles Obst". Hingegen gibt es richtig gutes Getreide - auch auf Finks eigenen Feldern. Passt das vielleicht? Getreide zu brennen ist in Süddeutschland weit unüblicher als im Norden, wo zum Bier oft ein Korn bestellt wird. Wie wäre es mit Whisky? "Oh, man braucht für Whisky eine Eigenschaft, die ich so gar nicht habe: Geduld." Sagt Hans-Gerhard Fink heute. Er hat die Geduld offenbar gelernt. 1999 wurde der erste Whisky gebrannt und in Fässer eingelagert, 2002 die erste Flasche verkauft, damals noch unterm alten Namen: Gutsbrennerei Aglishardt. Und mit dem Whisky ging es bei den Finks voran.

Quantensprung und Deutschland-Rekord

Am Anfang sei er unbedarft rangegangen, erinnert er sich. War aber bald infiziert. "Was mich so fasziniert, immer wieder von Neuem, ist dieser Wandel. Man füllt den Whisky nach dem Brennen in ein Fass. Und nach fünf, sechs Jahren kommt etwas völlig anderes heraus!" Einige Jahre lief es so. Fink experimentierte mit Getreidesorten, machte Whisky aus Dinkel, holte sich seine Eichenfässer von immer weiter her. Und er bürgerte schottische Hochlandrinder auf dem Schwäbischen Hochland ein - wenn schon, denn schon. Irgendwann hieß es Weichen stellen: einfach weitermachen, wie viele Kollegen, also die Landwirtschaft betreiben und nebenher die kleine Brennerei, "verkaufe ich ein paar Flaschen an der Straße und um den Kirchturm herum?" Oder einen großen Wurf wagen? Er riskierte den Quantensprung. Schrieb einen Businessplan, ließ die Marke Finch eintragen und baute. 2012 war sie fertig: die neue Brennerei, die damals größte "Pot Still" von ganz Deutschland. Mit der man jährlich bis zu 250.000 Liter neuen Whisky abfüllen kann. Immer an seiner Seite: der fachkundige Studienfreund und Mentor. Und die regionale Volksbank.

Seither geht es um Wachstum. Das Finch-Team zählt jetzt sieben Köpfe, mit dabei ein Destillateur, ein Betriebsleiter für die Landwirtschaft (denn Fink selbst sitzt jetzt öfter als ihm lieb ist am Schreibtisch) und eine Marketing-Expertin. Während der Whisky in den Fässern reift, viele hunderttausend Liter aus den Jahren seit 2012, muss die Marke bekannt werden, muss der Verkauf auf Touren kommen. Fink hat gerade den Vertriebspartner gewechselt, der neue ist besonders stark bei Whisky. Dass die Finch-Produkte bei Branchen-Experten so gut ankommen und bei sämtlichen internationalen Wettbewerben vordere Ränge belegen, ist Rückenwind: Bei den World Spirits Awards 2018 holte Finch die höchste Gesamtpunktzahl in der Kategorie "Whiskey Worldwide" und bekam die Titel DISTILLERY OF THE YEAR sowie WORLD CLASS DISTILLERY. "Nur Qualität verkauft", sagt Fink. Der Sprung in andere Länder und Kontinente wird bereits vorbereitet.

Internationale Experten der Branche sagen: Finch-Whisky gehört zu den besten Whiskys weltweit. Das dokumentieren zahlreiche Preise und Auszeichnungen.
Internationale Experten der Branche sagen: Finch-Whisky gehört zu den besten Whiskys weltweit. Das dokumentieren zahlreiche Preise und Auszeichnungen.(© finch® Whiskydestillerie - Privat/Non-kommerziell)

Visionen wahr werden lassen

Es geht um ganz große Summen, Fink spricht das Thema selbst an. Die Destillerie. Das jahrelang brach- beziehungsweise in Fässern liegende Kapital. Er plant schon den nächsten Wachstumssprung, der wieder teuer wird: Er will einen Erlebnispark bauen. Mitten auf der Schwäbischen Alb, genau da, wo die Touristen entlangkommen, wenn sie ins gut vermarktete Biosphärengebiet wollen. Ein Landwirtschaft-Natur-Erlebnispark für die ganze Familie soll es werden, damit alle die Schwäbische Alb besser kennenlernen: ihre Geschichte und Kultur, ihre Getreide-Arten und Kräuter. Es soll natürlich auch um Whisky gehen, der neue Standort wäre dann das Zuhause für Finks Whiskywelt mit eigenem Verkauf, auch für die Highland-Rinder. Die Planungen laufen auf Hochtouren, aktuell wird über das Grundstück verhandelt. 2022 oder 2023 könnten erste Besucher sehen, wie diese Vision von Hans-Gerhard Fink in der Wirklichkeit aussieht.Um bis dorthin zu kommen, spielt das RKW Baden-Württemberg seit 2018 eine tragende Rolle. Die Bank hatte Fink vorgeschlagen, für seine Rentabilitäts- und Liquiditätsplanung externe Experten hinzuzuziehen, für begleitendes Controlling. "Ich habe selbst 18 Jahre als Unternehmensberater gearbeitet im landwirtschaftlichen Bereich, neben der eigenen Landwirtschaft", sagt Fink. "Das war eine ganz wertvolle Erfahrung - und ich habe überwiegend hervorragende Unternehmer begleitet."

Die wirklich Guten lassen sich helfen, sagt er. "Ich habe es mir bewahrt, nicht beratungsresistent zu sein." Alleine im eigenen Saft zu schmoren und zu glauben, dass man alles weiß und kann, findet er gefährlich. "Ich hole mir Meinungen rein, das hat sich bewährt."

RKW BW: Zupackend und pragmatisch

Fink entschied sich für das RKW BW als Partner, "da war schon das erste Telefonat zupackend und pragmatisch." Seither hat er engmaschige Betreuung, die auch gefördert wird. Fachberater Andreas Streich hat ein exakt auf den Betrieb zugeschnittenes Management-Informationssystem aufgebaut. Monat für Monat liefert Fink nun seine Zahlen an Streich, der sie detailliert auswertet und prüft, ob die Linien stimmen. Gemeinsam erstellen sie Bankreportings, schreiben den Businessplan fort, kümmern sich um die Finanzierung der nächsten Schritte. "Wenn man in einem Betrieb wie unserem Wachstum generiert, braucht man mehr und mehr eine gute, sehr zeitnahe Liquiditätsplanung, um nach vorne sicher zu sein", sagt Fink. Und er fühlt sich sicher, vor allem dank des RKW BW: "Das ist eine ganz andere Liga, als wenn man das selbst tut."Er ist rundum zufrieden mit der Unterstützung vom RKW BW. "Eine so engmaschige Begleitung ist wertvoll. Das sichert den Betrieb und den Erfolg. Man kann sich selbst um die wesentlichen Dinge kümmern und ist nicht gebremst, weil man die ganze Zeit den buchhalterischen Argumenten hinterherlaufen muss."

Weitere Informationen

  • Finch Whiskydestillerie
  • 72535 Heroldstatt
  • www.finch-whisky.com
  • RKW BW-Berater: Ralph Sieger 
  • Beratungszeitraum: seit 2018
  • Beratungsschwerpunkte: Management-Informationssystem und Controlling, Optimierung der Vertriebswege

Haben Sie Fragen, brauchen Sie Unterstützung? Dann senden Sie eine E-Mail ans RKW BW oder rufen Sie uns an: 0711-22998-0.

Der Rohstoff ist Eigenbau: Als Getreidebauer sitzt Hans-Gerhard Fink an der Quelle zu hochwertigem Korn aus dem schwäbischen Hochland.
Der Rohstoff ist Eigenbau: Als Getreidebauer sitzt Hans-Gerhard Fink an der Quelle zu hochwertigem Korn aus dem schwäbischen Hochland.(© finch® Whiskydestillerie - Privat/Non-kommerziell)
Bis heute ist es bei Finch die Aufgabe des Chefs, auf der ganzen Welt nach jenen Eichenfässern zu fahnden, die den guten Geschmack beisteuern und seinen Whisky perfektionieren können.
Bis heute ist es bei Finch die Aufgabe des Chefs, auf der ganzen Welt nach jenen Eichenfässern zu fahnden, die den guten Geschmack beisteuern und seinen Whisky perfektionieren können.(© finch® Whiskydestillerie - Privat/Non-kommerziell)
Fink ließ 2011 auf der Schwäbischen Alb die größte „Pot Still“ Deutschlands bauen. Dort können bis zu 250.000 Liter „new make“ pro Jahr hergestellt werden. Die müssen danach für einige Jahre in die Eichenfässer – fürs Aroma.
Fink ließ 2011 auf der Schwäbischen Alb die größte „Pot Still“ Deutschlands bauen. Dort können bis zu 250.000 Liter „new make“ pro Jahr hergestellt werden. Die müssen danach für einige Jahre in die Eichenfässer – fürs Aroma.(© finch® Whiskydestillerie - Privat/Non-kommerziell)